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23.04.12

Neue Software soll im Krisenfall Überblick liefern

Eine neue Software soll im Krisenfall Daten aus privaten und öffentlichen Quellen in ganz Österreich zu einem gemeinsamen Lagebild zusammenführen. Ziel ist es, in Katastrophenfällen schneller und effizienter handeln zu können.


Wien, 23. April 2012 – In Krisensituationen, etwa bei Naturkatastrophen, Großbränden oder einer Pandemie benötigen alle beteiligten Einsatzkräfte und Behörden schnell zahlreiche Informationen: Nur wer sich rasch ein Bild von der Lage vor Ort machen kann, spart Zeit, trifft die richtigen Entscheidungen und rettet damit im Ernstfall Leben. Das Problem ist nur, dass zwar jede Organisation wie die Feuerwehr, Rettung, das Bundesheer, die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), die ÖBB oder die beteiligten Behörden ihre eigenen Lagepläne und Daten hat. Diese Daten aus öffentlichen und privaten Quellen sind jedoch nicht miteinander verknüpft, so dass im Ernstfall viel telefoniert, gefaxt und gesucht werden muss.

Eine im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms KIRAS des Verkehrsministeriums entwickelte und am Montag in Wien vorgestellte Software soll dies ändern. Das Visualisierungstool erstellt aus den Daten der verschiedenen Organisationen ein „Gemeinsames Öffentlich-Privates Lagebild“ (GÖPL) in Form einer interaktiven Karte. Die Software wurde in zwei Testläufen – einer Pandemie und einem Erdbebenfall – erprobt, an denen fünf Ministerien, die ZAMG und die ÖBB teilnahmen. Im Erdbebenszenario wurde simuliert, dass Österreichweit Straßen verschüttet und Orte abgeschnitten waren. Stromausfälle führten zum Zusammenbruch der Energieversorgung und der Internet- und Telefonverbindungen, weshalb nur wenige Nachrichten aus dem Katastrophengebiet durchdrangen. Gebrochene Gasleitungen verursachen Brände. Die Teilnehmer, die in unterschiedlichen Räumen untergebracht und nur online über das Tool kommunizieren konnten, mussten unter anderem klären, wie viele Ärzte in den betroffenen Regionen zur Verfügung standen oder welche Straßen von den Einsatzkräften befahren werden konnten. Im Katastropheneinsatz soll die Software aber auch Fragen beantworten wie: Welche Kapazitäten haben Hilfskräfte im Umkreis? Wo sind Betriebe mit gefährlichen Stoffen, die gesichert werden müssen? Oder falls es zu einem Giftaustritt kam: Aus welcher Richtung weht der Wind?

Eine effektive und effiziente Reaktion bei plötzlichen Katastrophen wie Erdbeben, Hochwasser, Dürren, Flugzeugabstürzen, Chemieunfällen oder ähnlichem erfordert die reibungslose Zusammenarbeit von Ministerien, die mit Zivil- und Katastrophenschutz befasst sind wie dem Innen-, Verteidigungs-, Infrastruktur-, Gesundheitsministerium und Bundeskanzleramt mit Infrastrukturbetreibern wie ÖBB, Asfinag, Flughäfen und Telekom, mit Rettungsorganisationen, Feuerwehren und den betroffenen Gemeinden. GÖPL wurde in Zusammenarbeit all dieser Organisationen und Sozialwissenschaftlern entwickelt. Der Prototyp, der vom IT-Unternehmen Frequentis gemeinsam mit den Visualisierungsexperten vom Wiener Comet-Zentrum VRVis entwickelt wurde und bislang gut eine Million Euro kostete, soll in zwei bis drei Jahren nicht nur für den Ernstfall einsatzfähig sein, sondern auch zu Übungszwecken dienen.